aniwai.com travel community for globetrotters

Forgot your password?

2007-09-04 | Alltag ist ein Fremdwort.

««
1 / 5
»»

2008-11-18 | Computerschäden

So, jetzt hat es mich (mal wieder) erwischt, der Rechner wollte nicht mehr wie ich wollte und auch nach ausführlicher psychologischer Zuwendung und intensiven Einzelgesprächen stellt er sich immer noch stur. Ich bin nun mal kein Klinsmann.
Garantie ist auch nicht mehr und bei Notebooks Ersatzteile zu bekommen ist in aller Welt schwierig, auch hier im Komponentenherstellungsland Nummer 1. In Peking könnte ich mich einfach in der Zhongguancun vor die Elektrokaufhäuser stellen und lauthals „I want a new computer!“ rufen, um die letzte Szene aus „Das Parfüm“ nachzustellen. Hier in der Provinz konnte ich (mutige Selbstdiagnose: Grafikkarte im Eimer) erst nach mehreren konspirativen Treffen und dazugehörigem Email- Verkehr ein Phantombild ergattern. 251x176 Pixel groß. Tjaha, trefft da mal eine Kaufentscheidung! Denn Vorkasse ist eh klar hier.
Aber alles in allem ist mein guter alter Dell jetzt wieder fit, danke für die ausführliche Zerleganleitung im Internet an dieser Stelle, echt vorbildlich, der Bastler in mir hat sich mal wieder gefreut. In meinem nächsten Leben werde ich Notebook-Mech-Konstrukteur.
Und der notorisch unzufriedene Käufergeist wurde auch wieder in die Flasche verbannt (ich will klein, leicht, super, robust, langlebig und bloß kein Vista!).

Um noch mal auf meinen Englisch -Eintrag zu verweisen, ich hoffe, dass morgen im Office wie angekündigt die emerging mouse auch wirklich eradicated wurde :)

2008-10-30 | Let’s go places and do things! (diesmal mit Gastbeiträgen)

So fing der Reiseführer für den abenteuerlichen Shanghai- Expatriaten in den 30er Jahren an (jetzt wieder neu aufgelegt) und die Grundhaltung der ausländischen Chinabesucher hat sich seitdem nicht wesentlich geändert.
Ein kurzer Abstecher in das heutige Peking mit der ureigenen Mischung alter Architektur im Ming- und Qing- Stil und den hypermodernen Vergnügungsmöglichkeiten postolympischer Bauart genügt, um Geschmack daran zu finden. A propos Geschmack, die kulinarische Auswahl ist heutzutage gegenüber den 30ern Jahren dann doch wesentlich großzügiger gestaltet, von traditionellen regionalen chinesischen Gerichten über Originalköche aus aller Herren Länder und den sich bei einer solchen Vermisch immer ergebenden Exzessen an, mal mehr, mal minder gelungener Fusion- Küche.
So stand denn letztens der dreiwöchige Besuch von Martin und Lisa unter folgenden Leitsprüchen:
„Uns durch den Globus fressen.“
Lisa und ich waren nicht überrascht, als Christian am ersten Tag großspurig verlauten ließ, wir können uns in Beijing durch den Globus fressen. Zugegebener-maßen absurd, egal welche Betrachtung man sieht. Jedenfalls lässt sich das kulinarische Angebot nicht lumpen und viele großen kulinarischen Nationen /Gebiete sind hier in der Restaurant -Branche vertreten.
So wurde auch gleich am ersten Abend geplant, was unbedingt gegessen werden will. Neben der chinesischen Küche (die sich bekanntermaßen in verschiedene Provinzen aufteilt) waren noch einige andere - vornehmlich ostasiatische – Nationalküchen auf unserem Plan. Aber auch Abstecher zu europäischer Küche war – mehr oder minder geplant - durchgeführt wurden. Was soll ich sagen? Viel-leicht wandele ich den Spruch eines Kollegen um, und lasse folgendes verlauten: „Dieser Urlaub war nicht gut für meinen Diätplan.“ ;-)
Aber das schiere Angebot und die - größtenteils – hohe Qualität des gebotenen lassen jeden Diätplan schnell vergessen. Lecker war es allemal, und mal ehrlich, wie oft isst man schon in Beijing....
„Wie hoch war noch mal das Gepäcklimit?“
Tja, eine gute Frage. Zumindest, wenn man soviel Spaß am einkaufen hat, wie ich. :)
Zum Glück habe ich, in weiser Voraussicht, meinen Rucksack auf dem Hinflug möglichst leicht gehalten, schließlich wusste ich schon, dass man in China toll einkaufen kann. Und günstig obendrein ... aber nur, wenn man weiß, wo man hin muss und wie man es anstellt. Unser Einkaufsziel: der Yashow clothing market, besser bekannt als "fake" Markt. Hier bekommt man alles, was man will: Schuhe, Taschen, Winkekatzen, Hosen, T-shörts etc. mit und ohne Schildchen. Man sollte sich aber noch über ein, zwei Dinge im Klaren sein, bevor das Kaufmonster die überhand gewinnen kann:
1. die Qualität: es ist tatsächlich nur das Schildchen, auf dem Prada steht.
:-(
2. viele kleine Summen summieren sich.
Gut, dass Martin immer dabei war, und mich zur Not auch aus dem Laden schie-ben konnte ;-)
3. was ist der echte Preis? Und wie kommt man an diesen Preis?
Nachfragen bringt nichts. Wenn du dich an die Verkäufer(innen) hältst, zahlst du am Ende mehr, als fürs Original. Nein, es muss gefeilscht werden. Mein Reiseführer riet mir dazu: "Setze den Einstiegspreis genauso unverschämt tief an, wie die Verkäuferinnen ihn hoch setzen." Der bessere Tipp kam aber (glaube ich) von Christian: man muss sein gegenüber genau beobachten. Wenn er/sie während des Verhandelns noch lachen kann, liegst du schon zu hoch, wenn sie anfangen, dich zu beschimpfen, liegst du gut dabei. Es ist eben ein Spiel, dass man als solches sehen sollte und dass viel Zeit braucht.
“But please lady, no joking with me! “
„Don’t ask why.“
Letzterer ist übrigens auch als generelles Lebensmotto in China sehr zu empfehlen.

2008-09-28 | English makes the World go round

Ein wesentlicher Teil unserer Mission hier ist außer der eigentlichen Produktion auch das sog. TOT, der Technologietransfer. Neben dem unmittelbaren Technikgewinn besteht auch die Hoffnung auf chinesischer Seite mit den Kenntnissen und Erfahrungen der Mitarbeiter aus der Zusammenarbeit mit einem weltweiten Konzern auf Dauer einen fruchtbaren Nährboden für weitere Innovationen und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sähen. Hintergedanke ist hier sicherlich, in dieser Region auf Basis der neu erworbenen Unterlagen beim Sprung in den globalen Wettbewerb nicht gegen die Mauer zu knallen.
Vom Grundgedanken her logisch nachvollziehbar, dennoch sieht es an dieser Front eher nach Treibsand aus.
Ganz perfide verdichten sich hier die Hinweise, dass durch Vorspiegelung falscher Tatsachen (Kostengründe, Vertrauen auf das deutsche Bildungssystem) die Übersetzung der technischen Unterlagen dem „Deutschen Ingenieur an sich“ überlassen wurde und der naive, unschuldige chinesische Provinzbewohner einer chronischen sprachlichen Verwirrung anheimfallen soll. Somit wird auf Jahre hinaus jede Kommunikation in der weltweiten Handels- und Wissenschaftssprache Englisch sabotiert.
Tatsächlich nicht nur sabotiert, sondern der Lächerlichkeit preisgegeben, wie ein kurzer Auszug offizieller Übersetzungen erkennen lässt:

Stiftschraube stud
Kugelhahn ballcock
Obere Dichtung superior joint
Dichtband celebration seal

Dies alles für teuer Geld, mit drei roten Stempeln und Schleifchen oben drauf.
Jetzt würde es mich doch interessieren, ob es letztes Jahr in der Konstruktion „Wortfindungs“- Parties gab und wie diese aussahen, oder ob www.urbandictionary.com nicht auch noch auf den firmeninternen Filterindex gesetzt werden sollte. Erst wer „Tool“ dort nachschlägt, stellt fest, wie diskriminierend hier vorgegangen wird.
Und dass ich hier von chinesischen Mitarbeitern schon jeden, aber auch wirklich jeden erdenklichen Mist gefragt worden bin, aber noch keiner von ihnen über das „Board of Cock“ gestolpert ist, lässt eigentlich nur noch folgende alternative Schlüsse zu:

- Erfolg auf voller Linie, Gratulation an unsere Projektverantwortlichen,
- „Board of Cock“ erweckt umgehend Assoziationen zur Chefetage hier,
- „Dude, I’m no stranger to pron!“

2008-08-17 | One Week over, one week to go

Tja, dafür also der ganze Aufwand.
Wäre ich arbeitslos, könnte ich den ganze Tag gemütlich mit ’nem Bier auf dem Sofa hocken und Olympia gucken. Noch besser, wäre ich in Deutschland arbeitslos, könnte ich mit ’nem deutschen Bier in der Hand sitzen und auch mal Wett-kämpfe ohne chinesische Beteiligung sehen. Oder wenigstens mal die Cheerleader beim Beachball.
Bei dreißig parallel laufenden Veranstaltungen kommen hier im Fernsehen zum Großteil Wiederholungen der Goldmedaillensieger vom Vortag und ausführliche Dokumentationen über deren Werdegang (jung gescoutet, Training, Gold) und gerade einmal drei Live- Entscheidungen im Fernsehen. Wobei der Begriff „Live“ hier auch relativ locker interpretiert wird, bei dem Basketballspiel China gegen Weltmeister Spanien, war die Verlängerung vorbei, bevor sie richtig angefangen hatte. Solange China am Sieg dran war, wurde alles gezeigt, 10 Punkte in Folge für Spanien wurden einfach rausgeschnitten und zack, wusste man auf einmal gar nicht mehr, was los war. Aber aus widersprüchlichen Tatsachen nur dasjenige rauszupicken, was einem genehm ist, ist ja Volkssport.
Ich Trottel hätte vielleicht auch mehr von Olympia, wenn ich in Peking im letzten Jahr häufiger in den dortigen auslandsdeutschen Kreisen Anschluss gesucht hätte. Deutsche Botschaft, Adidas, VW! Alles potenzielle Kartenverschleuderer. Stattdessen blutet mein Zuschauerherz beim Anblick der leeren Tribünen und mein Schwabenherz bei den Schwarzmarktpreisen.
Habe ich mir halt gestern ein Tangshaner Ananasbier geholt, auch so eine zwiespältige Sache

2008-07-13 | Vorolympischer Sommer

In knapp einer Woche mache ich hier mein erstes Jahr voll, und nach einem überraschend milden, feucht-grünen Sommeranfang haben die Myriaden an Zikaden die wenigen Singvögeln überwältigt und prägen das städtische Lautbild.
Auch wenn städtisch trotz der enormen Zunahme an, ja, eindeutig Limousinen in unserer Tiefgarage (zum Leidwesen der erst monate -alten, brüchigen Gehweg-Pflasterung) für chinesische Verhältnisse übertrieben ist. Was sagte der Beijinger Siemenskollege zu meinem Mitbewohner? „Tangshan ist die Kloake Beijings.“
Dementsprechend ist wohl unser Vorstädtchen die Kloake unter der Kloake.

Fest zum Sommer im Nordosten Chinas gehören für mich ebenso die unzähligen Kleinstgrille im Freien, bei denen es sich so wunderbar abends sitzen lässt und Fleisch- und Gemüsespieße ohne Ende mit warmen Bier den Arbeitstag ausklingen lassen. Die Holzkohlrauchschwaden übertünchen als Bonus auch die sonstige Mischung aus Abgasen und Körpergerüchen.
Mittlerweile hat sich auch das Rätsel der unendlichen Baustellen zwischen Feng Run und der Innenstadt Tangshans für uns aufgeklärt. So wurde uns zwar immer erklärt, dass all die neuen breiten Straßen und Beleuchtungen und Verkehrleitsysteme und renovierten Häuser in der ersten Reihe für Olympia seien. Die nächste Sportstätte liegt jedoch knapp 100 km entfernt.

Aberrrr
…der Fackellauf macht einen kurzen Abstecher durch das Gebiet. Ganz China wird für siebeneinhalb Nachrichtenminuten auf Tangshan blicken!

Das erklärt darüber hinaus auch, warum knapp 300 Bauernhäuser auf einmal hinter frischen Ziegelmauern und Bauzäunen verschwunden sind.

««
1 / 5
»»