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2007-09-04 | Alltag ist ein Fremdwort.

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2009-12-12 | Last Exit JiaLong Airport

Kaum ist die Wohnung richtig eingerichtet, schon bin ich wieder am alles zusammen packen. Die Lieferdienste hier haben ihre helle Freude an mir, und ich schwitze regelmäßig Blut und Wasser beim Gedanken an mögliche Transportschäden. Zwei Samsonite- Koffer im Kollegenkreis fielen schon den Changchunesen zum Opfer, um die Entschädigung wird Wochen und Monate später immer noch gefeilscht. Aktuell steht das Angebot bei 60 EUR.

Mittwoch war das Abschiedsessen mit den chinesischen Kollegen, schön „Hot Pot“ (quasi Fondue) im Holzkohleofen mit integriertem Abzug, gab gut Hitze ab und Freibier war auch dabei. Gestern dann noch die Siemens -Weihnachtsfeier mit vor dem Fenster baumelnden Weihnachtsmann und Apfelstrudel, heute geht’s zum Schnitzel essen und morgen bin ich weg.

Nach der Inventur, dem Packen und Wegschickerei.

Gott sei Dank kann ich meine ganze Winterkleidung bei Minfangs Eltern einlagern und muss nicht alles bis in die Tropen schleppen.

Darüber hinaus stecken wir wieder mittendrin im Visastress, nach der Deutschen Botschaft ärgern wir uns jetzt mit dem singapurischen Äquivalent rum. Am 22.12. soll ich dort sein, pünktlich zur Einschreibung und würde Weihnachten auch gerne mit Minfang zusammen verbringen. In einer Hinsicht darf ich mich aber freuen, es steht mir kein Preisschock im nächsten Jahr bevor. Beijing ist mittlerweile (für den Ausländer) 15% teurer als Singapur.

So, cya, so long and thanks. The China chapter is about finished.
Wir sehen uns bei delta 50 Grad.

2009-11-19 | Wintereinbruch hipp, hipp!

Freitag konnte ich mit dickem Kopf und verschnupfter Nase dem einsetzenden Schneegestöber und Verkehrschaos von meinem Fenster aus zugucken. Eine knappe Woche und mehrere Medikamentenschachteln später sind die Straßen endlich wieder halbwegs frei von Eisplatten, im Zweifelsfall sorgt auch nur einfach der festgefahrene Unrat für den notwendigen Grip.

Winterreifen kennt man hier zwar, das war 's dann aber auch schon. Und da der erste Schwung Arm- und Beinbrüche jetzt ein bisschen Abwechslung in den Ärztealltag (H1N1!) gebracht hat, ist erstmal wieder gut und wir dürfen das Wochenende tagsüber voraussichtlich an der Frostgrenze schnuppern. Nach gefühlten -26°C und mehreren halbstündigen Taxisuchereien tut das auch ganz gut.

Wahrscheinlich sind wir nur Weicheier. Schließlich liefen auch beim schlimmsten Wetter die Jugendlichen mit offenen Jacken, ohne Mütze und Handschuhe wohl gelaunt an uns vorbei, der Bänker grüßte in Anzug und Seidenhemd und wer nur ein dünnes Jackett, lange Unterhosen und sockenlos in rosa Badelatschen bei den Temperaturen seinen Morgenspaziergang macht, muss um seine Männlichkeit keine Angst haben.

Wenigstens die unsäglichen, aus der Karaoke -Generation entsprungenen Boybands haben ihre Aufführungen vor dem Kaufhaus eingestellt, ebenso weg wie die schlüpfrig -gefrorenen Kotzlachen um die Siemensstammkneipe rum. Und leider, leider, leider ist der Hundewelpenmarkt („Wie süß die watscheln!“) auch verschwunden.

Ein weiteres Opfer der Temperaturen ist der Belegschafts -Morgensport und das Rekrutenjogging im Werk. Dafür ist allen beim dreitägigen kollektivem Eisschollenpicken schön warm geworden und gut für die Teambildung war das auch! (Wir Deutsche wollten uns wieder nicht integrieren und haben nur von der warmen Stube ab und zu einen Blick rausgeworfen und uns über das Gepoche aufgeregt.)

Der Jahresfrischfruchtrhythmus in China ist nach Erdbeeren, Mangos, Kirschen, Yang Meis, Lychees, Wassermelonen und Nektarinen jetzt bei (Granat-) Äpfeln, Physalis und, warum auch immer, Bananen angelangt. Der Maronenverkäufer wirkt hier weniger deplaziert.

2009-10-26 | Puh. Wieder zurück im Leben?

Verspätet, aber immerhin, ein großes Dankeschön an alle für die tolle Feier und die netten Geschenke. War angemessen, würdig und spaßig, so wie das Leben immer sein sollte. Allerdings ohne den Stressfaktor.

An das Verheiratetsein muss ich mich aber noch gewöhnen ("realisieren" wurde per Zwiebelfisch'sche Autorität verboten), bisher konnte ich die Lernkurve aber meistern.

Ich hoffe alle sind gut nach Hause gekommen und keiner hat beim Landgasthof gezahlt, denn doppelter Lohn für kleine Zimmer wäre dann doch der Großherzigkeit zu viel.

Normalerweise folgt nach solchen Phasen bei mir immer mit der Entspannung der körperliche Absturz, diesmal balanciere ich die Tage auf moderatem Stresslevel und fühle mich nur moderat unwohl. Dafür zieht's sich, also auch nicht die optimale Variante.

Kurzes Panorama an Eindrücken der letzten Woche:

-Symphonische Pflasterstein- Festklopfen.

-Orientierunglose Marienkäferchen, die in unserem Büro vergeblich nach Blattläusen suchen (oder essen die hier etwas anderes?).

-Wie eh und je klebrig schmatzender Straßenbeleg nach der Reinigung, aber zumindest von der darüber wehenden Schicht aus Nussschalen, Spießchen, Plastikverpackungen und Zigarettenstummeln befreit.

-Gelbes Wasser aus der Leitung. Immerhin verfügbar und nicht mehr mit rotem Sediment versetzt.

-Heizungsrohre wurde erfolgreich ohne Leck geflutet.

-Scharfes Essen, wie den Sichuan- Fischkopf nicht mehr gewöhnt.

Und Durchfall auf dem Plumpsklo im Nachtzug mit an die Tür hämmernden Schaffner. Er müsste die Toiletten zusperren, da wir in die Station einfahren.

2009-10-01 | Im Herbst

Das Klima gestaltet sich hier im Herbst fast mitteleuropäisch, mit knackigen Morgen- und angenehmen Mittagstemperaturen. Das bei meist strahlend blauem Himmel, halt nur dann nicht, wenn man frei hat. Eben genau wie zu hause.

Auf meinem knapp zehnminütigen Arbeitsweg bis zum Shuttlebus komme ich an zwei Pizzahuts, vier KFCs und einem KFC-Klon vorbei, nur der McD hat schon dicht gemacht. Bevorzugt kann ich aber auch in das traditionelle chinesische Straßenküchenklima abtauchen und mich gemütlich an den Fressbuden (Tintenfisch am Spieß, geröstete Nüsse, Eselsfleischdöner, Obst, gebratene Nudeln in Erdnusssauce) vorbei /durch wuseln. Und auf der anderes Seite mal bei den Handyläden vorbei schauen, in denen nur Plastikmodelle ausgestellt werden und man vom Verkäufer mit Fachwörtern zugeschmissen wird. Ist das jetzt in Deutschland auch schon so, dass die Optik und die versprochenen Funktionen (MP3, 3G, GPS, WLAN, …) als Kaufargument ausreichen? Ich will die Teile selber ausprobieren, verdammt!
Auch nett ist der Straßenmusikant am Abend der mich mit immer dem gleichen Lied beim Sprint über die Kreuzung begleitet. Beschränktes Repertoire?

Gemäß der Vorhersage halten sich hier die Feuerwerke im Vergleich mit Feng Run in Grenzen, zumindest bis zum Nationalfeiertag am 1.10. zum 60 -jährigen Jubiläum der Volksrepublik. 60 soll ja in der chinesischen Tradition ein besonderes Alter sein, und jeder bestätigte mir, dass der Aufwand wesentlich größer ist als noch vor 10 Jahren. Auch das Feuerwerk soll das der Olympischen Spiele noch übertreffen, im Kino und im Fernsehen liefen die letzten Wochen nur noch Filme über den Japan- und Bürgerkrieg, bzw. der Staatsgründung allgemein. Der Spuk hat aber nach der Militärparade in Peking heute ein Ende, dann starten balgen sich gleich zehn chinesische Eigenproduktion in den Kinosälen um die erwarteten Massen in der Feiertagswoche.
Alles hängt voll mit roten Fahnen, die wenigen Taxifahrer ohne wirken entsprechend grimmig und machen ihrer häuslichen Beschaffungseinheit am Handy lautstark schimpfend Beine. Den Vogel schießt aber für mich das leer stehende Kaufhaus ab, dass sich trotz Mangel an Kunden und Personal trotzdem in sage und schreibe 35 großformatige Fahnen gehüllt hat.

In einer Stunde geht es los zum Flughafen und zurück ins vom Hochnebel verhangene Mering und ich kann endlich Minfang ein wenig meine Heimat zeigen. Und dann kann ich auch gleich ausprobieren, wie Changchun abschneidet, wenn man von Deutschland nach China kommt, und nicht von China nach China.
Wir sehen uns!

2009-09-12 | Welcome to windy Changchun

Und ein erschöpftes Hallo! aus der Automobilstadt Nordostchinas. Seit langem Sitz der einzigen Wachstumsstandorte für VW und Audi sind die vor hundert Jahren von den imperialen japanischen Kolonialherren großzügig ausgelegten Straßen mittlerweile völlig übermotorisiert. Dies ist meine erste Stadt in China in der die Fahrräder vollständig den PkWs weichen mussten, ohne Zwischenstopp wird hier direkt der Feierabend -Verkehrskollaps zelebriert. Wessen Haus zwischen 17:00 Uhr und 19:00 Uhr Feuer fängt, dem kann man nur eine hohe Brandschutzklasse wünschen... .
Das Wochenende wird eine Fußballkneipe begutachtet, und wenn es nichts mit der Bundesliga- Übertragung werden sollte, kann ich mir immer noch ansehen, wie der immer pummeligere Ailton sich mit dickem Grinsen die nächste dicke Klatsche mit seinen Chongqinger Kollegen abholt. Nach einem 0:6 so aussehen wie ich am glücklichsten Tag meines Lebens ... dem gefällt's hier offensichtlich.

Die Arbeit gestaltet sich nach der ersten hektischen Zeit mit dem Sich-Beweisen und paralleler Wohnungssuche als ganz entspannt, am meisten musste noch meine Dolmetscherin leiden. Als neues Mitglied der CRC -Familie, bestanden die ersten Wochen aus diversen Indoktrinierungs -Seminaren, Kennenlern- Wochenenden und der Lektüre „Warum ich meine Firma liebe“. Der abschließende Report muss entsprechend überzeugend ausgefallen sein, kurzerhand wurde sie nämlich wegbefördert und darf jetzt den Managern hinterherlaufen.
Gut, mit einem Abschluss in Englisch und einen in Wirtschaftsrecht, sowie einem Jahr Berufserfahrung in Südkorea konnte man ihr unser perfektes Siemens -Englisch wirklich nicht mehr länger zumuten.

Und noch mal kurz zu meiner neuen Bleibe für den Rest des Jahres. Dem 18. Stockwerk bin ich treu geblieben, gehöre damit aber in Changchun nur zu den mittleren Rängen. Die Belegungsquote in diesem riesigem Appartementhaus liegt aber laut dem „Helle-Fenster“-Index nur knapp bei 20 %, wohl mit ein Grund warum ich mit Glück und Spucke nur ein Viertel der Miete bezahle wie die Firma für unsere Grazer Kollegen löhnt.. Im gleichen Haus.

Andere Kollegen haben es sich in den leicht verwohnten Zimmern des Shangrilas gemütlich gemacht, mit dem entschiedenen Vorteil nach einer erfolgreichen Nacht in der Stammkneipe mit dem Aufzug direkt vor die Zimmertür transportiert werden zu können. Schont die Bandscheiben.

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